Ăśberraschend ein Podestplatz !

Soll ich oder soll ich nicht starten? Das war die total vorherrschende Frage der letzten Tage. Aufgrund des ständig schlechten und kalten Wetters und einer Schneefallgrenze von 1800 m.ü.M. (hey, wir haben doch Sommer?), konnte ich mich einfach nicht so recht mit einem Start „anfreunden“. Das Rennen in Küblis geht ja doch auf 2200 Meter hoch. Schlussendlich hat die Motivation überwogen und ich entschied am Rennen über die Strecke von 66 km mit knapp 2700 Höhenmeter zu starten. Dies nur, weil die Startzeit erst auf 10:30 Uhr angesagt war ;-). So konnte ich gemütlich am Renntag ins Prättigau anreisen...

Kueblis2011 00

 

Das Prättigau liegt tief in Wolken verhangen und es regnet immer wieder leicht. Wir haben Glück und werden bei trockenen Bedingen auf die Strecke gelassen. Auf direktem Weg geht es "in den Berg" und somit auf die Madrisa hoch - die ersten 1000 Höhenmeter sind hier zu überwinden. Ich gehe das Ganze ziemlich vorsichtig an und fahre möglichst nie über der anaeroben Schwelle, schliesslich wartet danach noch ein 2. Anstieg. Ich komme in einen guten Tritt, denn die gleichmässigen, langen Anstiege liegen mir ganz gut. Je höher wir kommen wird es markant kälter und es beginnt wieder zu regnen; oben auf der Madrisa schneit es dann sogar. Hier halte ich kurz an, drück ein Gel in mich hinein und zieh mir für die Abfahrt das Gilet an, um nicht auszukühlen. Die teils steile Abfahrt nach Klosters behagt mir wiederum nicht sehr. Der aufgeweichte Schlammboden verlangt grösste Konzentration und ich fahre dementsprechend vorsichtig und extrem langsam, verliere dadurch aber auch einige Ränge.

In Klosters verpflege ich mich nochmals mit einem Gel und dann heisst es wieder den Tritt finden … es folgt der kräftezehrende Aufstieg über 26 Km Länge und 1500 Höhenmeter in die Heuberge hoch. Ich kann wieder ein gutes Tempo anschlagen und male mir schon ein gutes Resultat aus … Anfangs noch auf Schotterstrassen folgt dann der krasse Trail über Alpweiden mit vielen steilen Anstiegen, vielen Laufpassagen, Sumpf und Wasserpassagen. Unzählige Male muss ich absteigen und schieben. Der Aufstieg will und will nicht enden. Langsam kriege ich kalte Füsse und Hände, denn rum um mich herum liegt Schnee und der hartnäckige Wind ist bitter kalt. Meine Kräfte und auch die Motivation sinken, denn eine solche Strecke habe ich nie und nimmer erwartet. Durch den Schlamm habe ich auch wieder Probleme mit dem Wechsler, so dass ich einmal zurück an einen Bach laufe, um meinen Bidon mit Wasser zu füllen. Damit kann ich den Dreck am Umwerfer und Wechsler abspritzen. In leichtem Schneegestöber erreiche ich endlich den höchsten Punkt, wo auch noch zwei freiwillige Helfer ausharren und Bananenstückchen anpreisen. Von grünen Wiesen ist hier nichts zu sehen. Nur weisse Schneelandschaft und eine braune Dreckspur, die den Weg nach unten zeigt. So geht es wieder über sumpfige Alpweiden mit vielem Ab- und Aufsteigen den Berg runter, gefolgt von einer steilen, schnell zu fahrenden Schotterstrasse, die keine Erholung zulässt. Mit meinen klammen Fingern bin ich kaum mehr im Stande zu bremsen und bin heilfroh, endlich wieder im Tal unten zu sein, wo es dann auf den letzten 10 km und ein paar Höhenmeter ins Ziel zurück geht. Ziemlich kraftlos, aber erleichtert fahre ich über die Ziellinie...

Erst eine halbe Stunde später, als ich mit Bänz telefoniere, erfahre ich von ihm, dass ich auf den 3. Rang in meiner Kategorie und 5. Rang allover gefahren bin!!! WOW - YEAHHH - der erste Podestplatz im zaboo-Dress ist wahr geworden. Das hätte ich heute nicht erwartet und da freue ich mich umso mehr darĂĽber ... wenn auch das miese Wetter mir evt. sogar entgegen gekommen ist, da sich wohl viele abgemeldet oder auf die kleinere Runde (36 km) gewechselt haben. Aber ein Podestplatz gibt immer Mut und Motivation fĂĽr nächste Rennen ...  am 6. August am Ironbike in Ischgl!

 

Swiss Bike Masters 2011, KĂĽblis

Strecke Zeit h
Rang Kat. Rang Gesamt
66Km, 2697 Hm 4:20:50 3 5

Rangliste Datasport!